175 Jahre Sächsische Dampfschifffahrt

 

Im Jahr 2011 jährt sich zum 175. Mal das Gründungsdatum der Sächsischen Dampfschifffahrt, die noch immer mit neun, zwischen 1879 und 1929 gebauten Seitenraddampfern als älteste und größte Raddampferflotte der Welt eine der schönsten Flusslandschaften Europas befährt. Ob bei Rundfahrten durch das Stadtgebiet Dresdens, einer Schlösserfahrt zum Schloss Pillnitz, einem Tagesausflug in die Sächsische Schweiz, einer Route entlang der Sächsischen Weinstraße oder einer der verschiedenen Sonderfahrten: Die historischen Schaufelraddampfer faszinieren Jahr für Jahr Hunderttausende Passagiere aus Nah und Fern. Dabei war es ein beschwerlicher Weg gewesen, bis die Sächsische Dampfschifffahrt ihren Ursprung erleben sollte. Während sich in England, Frankreich und Amerika der dampfbetriebene Schiffsverkehr um 1800 längst durchgesetzt hatte, konnten die Schiffe auf der Elbe vorerst nur durch die Strömung, den Wind oder die Muskelkraft der Treidler bewegt werden. Mehrere Versuche von sächsischen Industriellen, die moderne Antriebstechnologie auch auf der Oberelbe einsetzen zu dürfen, scheiterten vornehmlich aus „Angst vor den Höllenmaschinen im Schiffsbauch“, wie es in einem Dokument aus jener Zeit hieß. Nicht zu vergessen, dass seinerzeit noch zahlreiche Zollschranken bestanden und der Fluss bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht reguliert war.

Nachdem im Mai 1835 der Zuckersiedereibesitzer Heinrich Wilhelm Calberla erstmals mit einem Dampfschiff die Oberelbe befahren hatte, wurde ein Jahr später, am 8. Juli 1836, endlich zwölf Dresdener Bürgern um die Dampfschiff-„Pioniere“ Benjamin Schwenke und Friedrich Lange das königlich-sächsische Privileg zum Betrieb der Dampfschifffahrt für zunächst fünf Jahre erteilt. 1837 nahm dann auch das erste Schiff namens „Königin Maria“ den Fahrbetrieb auf. Als ob es aus Porzellan gefertigt sei, so schön wurde es in diversen Aufzeichnungen beschrieben. Auf Grund des auf der Elbe vorherrschenden Niedrigwassers hatte es zwei Schaufelräder; eine Technologie, die sich über alle Ewigkeit bewähren sollte. Konstrukteur dieses Dampfschiffes war der honorige Techniker Prof. Andreas Schubert aus Dresden. Er konstruierte auch die erste deutsche Fernbahnlokomotive Saxonia und war am Bau der Göltzschtalbrücke im Vogtland beteiligt.

Ihre Landungsbrücken hatten die Schiffe von Beginn an in der Nähe des Dresdener Terrassenufers und im Winter machten sie im Pieschener Hafen fest. Im Laufe der Jahre kamen auch Winterhäfen in Dresden-Loschwitz, Königstein und Prossen hinzu. Was anfangs noch fehlte, war eine Werft. Der Bauplatz der ersten Jahre befand sich auf dem Gelände der Vogelwiese im Dresdener Stadtteil Johannstadt, wo man eine Schiffbauhalle errichtet hatte. Später wurden auch einige Dampfer in Buckau (in der Nähe von Magdeburg) und Krippen (Sächsische Schweiz) gebaut. Erst 1855 kaufte die Dampfschifffahrtsgesellschaft Land in Dresden-Blasewitz. Auf der dortigen Werft entstanden bis 1898 43 Dampfschiffe, von denen noch sieben im Einsatz sind. Danach zogen die Anlagen nach Dresden-Laubegast um, wo acht Seitenraddampfer gefertigt wurden. Davon fahren die beiden letzten Neubauten „Dresden“ und „Leipzig“ als größte und modernste Personendampfer auf der Oberelbe bis in die heutigen Tage. Die Werft ist nach wie vor in der Wartung und Reparatur der Dampfer und anderer Schiffe aktiv und war auch an fast allen Umbauten und Modernisierungen der Flotte in den Folgejahren beteiligt. Dass so viele Schiffe in Dienst gestellt und andere später um Oberdecks und Salons erweitert wurden, hatte natürlich seinen Grund in der wachsenden Nachfrage. War es den Gründungsvätern der Schifffahrtsgesellschaft ursprünglich vor allem um den Güterverkehr gegangen, der ab Mitte des 19.Jahrhunderts mehr und mehr von der sich entwickelnden Kettenschifffahrt bewerkstelligt wurde, erwies sich recht schnell die Mitnahme von Passagieren als bedeutsam. Somit kann mit Fug und Recht festgestellt werden, dass die Dampfschifffahrt neben der Eisenbahn zur Entwicklung des Tourismus beigetragen hat.

Ob im Raum Dresden, in der Sächsischen Schweiz oder bis über die Grenzen nach Böhmen: Bald schon hatte sich das Unternehmen auch gegen aufkommende Konkurrenz behauptet und firmierte ab 1865 als Sächsisch-Böhmische Dampfschifffahrtsgesellschaft. Um die Jahrhundertwende wurde der Höhepunkt in der Firmenhistorie erreicht: Sage und schreibe 37 Dampfer beförderten seinerzeit mehr als 3,6 Millionen Fahrgäste im Jahr. Über 500 Beschäftigte versahen damals in dem Unternehmen ihren Dienst. Allerdings wurden zu dieser Zeit auch größere Fahrtstrecken befahren. Bis auf 319 Kilometer zwischen dem tschechischen Leitmeritz und Dessau wurde das Einsatzgebiet der Dresdener Dampfer noch einmal Mitte der 1930er Jahre ausgedehnt. Herbe Einschnitte in der Unternehmensentwicklung brachten die beiden Weltkriege mit sich. Nach dem ersten Weltkrieg und infolge der einsetzenden Weltwirtschaftskrise mussten mehrere Dampfer verkauft werden. Im zweiten Weltkrieg wurden einige Schiffe beschädigt, danach mussten jeweils sechs der modernsten Dampfer als Reparationsleistungen an die Sowjetunion und die Tschechoslowakei abgegeben werden. Zum Glück, muss man heute sagen, waren die beiden jüngsten Schiffe „Dresden“ und „Leipzig“ damals nicht einsatzfähig. Das nach der Messestadt benannte größte Flottenmitglied war in den letzten Kriegstagen von einer Fliegerbombe getroffen worden, das nach Sachsens Landeshauptstadt betitelte Schwesterschiff war im Frühjahr 1946 durch ein Malheur - oder doch Sabotage...? - ausgebrannt. Beide Salondampfer blieben damit den Dresdenern und ihren Gästen erhalten und wurden wieder aufgebaut. Eine besondere Leistung der Schiffbauer, da die Werft, auch als Folge des Krieges, seinerzeit demontiert worden war.

Zu DDR-Zeiten dampften die Schaufelraddampfer ab 1956 unter der Flagge der „Weißen Flotte“, entsprechend auch ihres, seit 1928 üblichen weißen Anstrichs. Dass so viele Dampfer in diesen Jahren erhalten blieben, war nicht unbedingt nur in der Traditionspflege begründet. Ab Mitte der 1960er Jahre fuhren auch vier dieselelektrische Seitenradschiffe auf der Elbe, zum Bau von mehr modernen Motorschiffen mangelte es an den Kapazitäten. Andererseits mussten einige Dampfer in den Folgejahren auch außer Dienst gestellt werden. Manche von ihnen wurden verschrottet, andere einer weiteren Nutzung als Museum oder Gaststätte zugeführt.

Mitte der 1980er Jahre setzte ein Umdenken ein. In unzähligen ehrenamtlich geleisteten Stunden wurde durch die Mitglieder der neu gegründeten Fachgruppe Elbeschifffahrt und mit Unterstützung der Laubegaster Werft der eigentlich zur Verschrottung vorgesehene Dampfer „Diesbar“ gerettet. Seine historische Rekonstruktion sollte später als Vorbild für die anderen Dresdener Dampfschiffe dienen. Ab 1989 wurde dieser Urtyp der sächsischen Dampfschifffahrt, ein so genannter Glattdecker ohne Oberdeck, nach elfjähriger Liegezeit erstmals wieder unter Dampf gesetzt. Noch heute fährt er als einziges Mitglied der Flotte mit Kohlefeuerung und besitzt die in Teilen älteste funktionstüchtige Dampfmaschine der Welt! Mit den Wendetagen stand die Zukunft der Sächsischen Dampfschifffahrt noch einmal in Frage. Das Unternehmen hatte sich nunmehr marktwirtschaftlichen Gegebenheiten zu stellen. Die bisherigen staatlichen Subventionen fielen weg, die Preise stiegen, und die Fahrgastzahlen gingen zurück. Zum Glück entschlossen sich 1992 der Freistaat Sachsen und die bayerische Conti-Reederei, eine neue Gesellschaft zu gründen. Damit wurde den Schiffsoldtimern neues Leben eingehaucht. Bis 1994 erfuhren acht Dampfer eine umfangreiche Sanierung, verbunden mit einer Rekonstruktion im historischen Stil. Im Jahr 2000 wurde schließlich noch der Dampfer „Krippen“ als neunter

Seitenraddampfer wieder in die Flotte eingegliedert, der außerdem je zwei kleine und große Salonmotorschiffe angehören.

Zum 175. Firmenjubiläum wird ein Festwochenende vom Gründungstag, dem 8. Juli, bis zum 10. Juli mit mehreren Sonderfahrten und weiteren Attraktionen rund um das Terrassenufer einladen. Die Flotte 2011 PD „Stadt Wehlen“ (Baujahr 1879) PD „Diesbar“ (Baujahr 1884) PD „Meissen“ (Baujahr 1885) PD „Pillnitz“ (Baujahr 1886) PD „Krippen“ (Baujahr 1892) PD „Kurort Rathen“ (Baujahr 1896) PD „Pirna“ (Baujahr 1898) PD „Dresden“ (Baujahr 1926) PD „Leipzig“ (Baujahr 1929) MS „Lilienstein“ (Baujahr 1982) MS „Bad Schandau“ (Baujahr 1987) MS „August der Starke“ (Baujahr 1994) MS „Gräfin Cosel“ (Baujahr 1994)

Michael Hillmann, Fachgruppe Elbeschifffahrt

 

 

Das Video wurde hochgeladen vom Freistaat Sachen bei You Tube


  

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