Nach der Flutwelle kommt die Welle der Solidarität

Ein Erlebnisbericht aus Dresden entlang und wieder auf der Elbe

Sonntag in Dresden. Erst wenige Tage sind vergangen, seit die sächsische Landeshauptstadt wieder von der schrecklichen Flut heimgesucht wurde. Die Melancholie, die am Morgen über der Stadt zu liegen scheint, ist verständlich. Und doch spürt man tagsüber schon mehr und mehr, wie sich neuer Optimismus unter den Menschen Bahn bricht.

Seit Samstag fahren die Dampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt wieder. Auf der Schlösserfahrt nach Pillnitz ist kaum zu merken, dass das Wasser hier noch vor Tagen gewütet hatte. Ruhig schlängelt sich der Fluss zwischen den Wiesen und Feldern, die weithin gepflegt erscheinen. Natürlich sieht man aber in Blasewitz und Wachwitz, in Laubegast und Kleinzschachwitz zerstörte Lokale – mit Gartenbetrieb. Jeder Gast wird jetzt gebraucht, um den Inhabern bei der oftmals zweiten Mammutaufgabe binnen elf Jahren zu helfen: dem Wiederaufbau ihrer Existenz, ihres Zuhauses. Die historischen Schaufelraddampfer blieben vom Hochwasser unversehrt, aber Fahrscheinverkauf, Landküche und mehrere Anlegestellen der Gesellschaft wurden beschädigt. Nach dem spätwinterlichen Saisonstart zu Ostern und dem verregneten Mai hofft auch die „älteste und größte Raddampferflotte der Welt“ wieder auf einen Besucherstrom – das erste Fahrtwochenende nach dem flutbedingten Ausfall lässt sich verheißungsvoll an.

Nach der Flutwelle hat sich – wie schon beim (vermeintlichen) „Jahrhunderthochwasser“ 2002 – eine große Welle der Solidarität entwickelt. Erfreulich in einer Zeit, in der nicht wenige Menschen den zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft anprangern. Auch das Bewusstsein der Elbanwohner hat sich seit der letzten Flutkatastrophe verändert. Dresden hat sich geschützt. „Wir sind sehr froh, dass vor allem dank der sehr guten und ausgebauten Hochwasserschutzmaßnahmen das Wasser größtenteils von der Stadt ferngehalten werden konnte. So blieben die Dresdner Altstadt und auch die Kultureinrichtungen der Stadt vom Hochwasser weitestgehend verschont", sagt Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH. In der Sächsischen Schweiz und entlang der Weinstraße waren die Menschen dem Strom leider schutzlos ausgeliefert. Die Sommersaison scheint leider beendet, bevor der Sommer richtig begonnen hat.

Der Aufruf des Vorstandsvorsitzenden des DEHOGA Dresden, Marco Bensen, kann daher stellvertretend für die gesamte Elbregion gelten: „Kommen Sie nach Dresden, besuchen Sie unsere wunderschöne Stadt und die vielen großartigen Kulturangebote und Events, die in den kommenden Wochen anstehen.“ 

Text & Fotos: Michael Hillmann

 

 

 

 

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